Beitragsreihe:

  1. Thema: Biblische Wurzeln der Krankensalbung (November/Dezember 07: 24.11.07)
  2. Thema: Die Tradition der Krankensalbung (Januar/Februar 08: 16.2.08)
  3. Thema: Die Feier der Krankensalbung (März/April 08: Offener Termin Böfingen)

hier: Beitrag Gemeindeblatt November/Dezember Ausgabe 2007

Biblische Wurzeln der Krankensalbung

In den nächsten drei Ausgaben des Gemeindeblattes möchten wir Ihnen das Sakrament der Krankensalbung vorstellen. In der ersten Ausgabe soll die biblischen Wurzeln verdeutlicht werden. In der Januar/Februar 2008-Ausgabe folgt ein Abriss der kirchengeschichtlichen Entwicklung und Tradition des Sakraments. In der März/April 2008-Ausgabe stellen wir Ihnen die Elemente einer Krankensalbung vor.


Sie trieben viele Dämonen aus
und salbten viele Kranke mit Öl
und heilten sie.
(Mk 6,13)

 


Den Heilungsauftrag Jesu mit dem besonderen Augenmerk auf die Salbung der Kranken mit Öl finden wir unter den Evangelisten in dieser präzisen Form nur bei Markus. Sie steht im Kontext der Aussendung der zwölf Jünger und einer ersten Zusammenfassung ihrer Tätigkeiten. Die Zwölf, die sich nach Jesu Geheiß auf den Weg machten, erlebten große Zustimmung und die Wirkung ihres Heilens. Den Heilungsauftrag bekräftigt Christus nochmals als Auferstandener zum wiederholtem Male: die Kranken, denen sie die Hände auflegen, werden gesund werden (Mk 16,17-18).

Berühren und Handauflegen verdeutlichen sich in unterschiedlichen Zeichenhandlungen Jesu. Uns sind die eindrücklichen Heilungsgeschichten Jesu präsent. Denken wir zum Beispiel an die Heilung eines Taubstummen, der Jesus bat, ihn zu berühren. Jesus legte ihm daraufhin die Finger in die Ohren und berührte seine Zunge mit Speichel. Mit dem „Effata, öffne dich!“ konnte der Taubstumme wieder hören und sehen. An anderen Stellen liest man, dass alle Leute von der Wirkmächtigkeit Jesu so beeindruckt waren, dass sie ihn unbedingt berühren wollen, denn sie spürten eine Kraft, die von ihm ausging und alle heilte (Lk 6,19; Mk 7,32-26).

In der Heilungsgeschichte des Taubstummen finden wir ein drittes Element: das Gebet für die Kranken. Zwei deutliche Hinweise zeigen die Wichtigkeit des Gebets für Jesus selbst. Zunächst nimmt er den Taubstummen von der Menge weg. Jesus sucht die Einsamkeit, um innere Einkehr und Konzentration zu finden. Bei allen wichtigen Ereignissen finden wir übrigens einen betenden Jesus. Der Ruf „Effata, öffne dich!“ ist ein Gebet. Jesus - ganz in sich gekehrt - hat sich in die Lage des Kranken versetzt, um dann einen Ausruf zu sprechen, der sich betend an die kranken Stellen des Taubstummen richtet. Freilich wird hier die Vollmacht Jesu klar ersichtlich.

Das Mitleid Christi mit den Kranken und seine Heilungen von Krankheiten jeder Art sind erkennbare Zeichen der Barmherzigkeit Gottes im nahenden Reich Gottes (Lk 7,16). So versteht sich Jesus als Arzt für die Kranken, der den ganzen Menschen – Seele und Körper – heilt (Mk 2,17). Sein Mitleid mit den Leidenden geht soweit, dass sich Jesus mit ihnen identifiziert: Ich war krank, und ihr habt mich besucht (Mt 25,36).

Schließlich finden wir einenzweiten Schlüsseltext für die Deutung der Krankensalbung im Jakobusbrief:


Ist einer von euch krank?
Dann rufe er die Ältesten der Gemeinde zu sich;
sie sollen Gebete über ihn sprechen und ihn im Namendes Herrn mit Öl salben.
Das gläubige Gebet wird den Kranken retten und der Herr wird ihn aufrichten;
wenn er Sünden begangen hat, werden sie ihm vergeben.
(Jak 5,14-15)

 


Im Jakobusbrief werden alle drei Elemente der Krankensalbung zusammenfassend verdichtet. Die Aufgabe, die Ältesten zu holen, soll nicht der Kranke selbst übernehmen, sondern seine Angehörigen, so der Urtext. Als Älteste der Gemeinde sind die Amtspersonen, die Presbyter gemeint. Das Gebet richtet sich in Blickrichtung auf den Kranken. Das ist wichtig, weil der Kranken dadurch tiefer in das Gebet hinein genommen wird. Die Ältesten sprechen - wie in der jüdischen Tradition üblich - für den Kranken Fürbitte vor Gott, vermutlich mit der Anrufung des Namens Jesu. Die Salbung mit Öl ist vom Gebet und die Anrufung des Namens Jesu umschlossen. Öl war im Judentum ein beliebtes Heilmittel mit therapeutischem Charakter (Jes 1,6). Es gab die Vorstellung, dass Öl als Lebensöl aus dem paradiesischen Lebensbaum floss und den kranken und alten Adam Linderung brachte. Das heilende Öl ist übrigens auch aus dem Gleichnis des barmherzigen Samariters bekannt (Lk 10,34). So kann Öl für ein Zeichen der Bewahrung vor dem Tod und Erhaltung des Lebens stehen. Der Höhepunkt dieses Ereignisses ist das „Aufrichten“. Der Herr gibt dem Kranken Kraft und Stärke zur seelischen Bewältigung seines Leidens.

Quellen: Rituale Krankensakramente, Katechismus, HThK, SKK NT