„Fischen gehen“ – oder wie kann ich Menschen fördern?
(Beitrag im Ulmer Kirchenblatt, Februar 2010)

Mein Chef, ein Professor der Universität Ulm, verfolgt den Ansatz neben Forschung, Lehre und Patientenversorgung, junge Menschen bewusst zu fördern. Dabei hat er nicht nur die berufliche Karriere im Blick, sondern möchte den ganzen Menschen mit seinen Lebensperspektiven ernst nehmen. Das spüre ich besonders, wenn er mich berät und mir neue Horizonte eröffnet. Ich finde das sehr hilfreich und motivieren: Jemanden zu haben, der mich begleitet und mir hilft, mein Leben im beruflichen als auch privaten zu reflektieren und zu gegebener Zeit neu auszurichten. Natürlich kann man nicht immer das Leben im vollen Umfang planen, denn – wie es so schön heißt –„erstens kommt es anders, zweitens als man denkt!“

Ich frage mich, wie kann ich (Ende 30) Menschen, junge Erwachsene, Jugendliche begleiten. Wie kann ich fördern? Zum Entwickeln von Lebensperspektiven einladen? Was kann ich als Christ mit meiner Sicht der Dinge und der Erfahrung meines zurückgelegten Lebensweges, jungen Menschen Hoffnung und Zuversicht geben? Ihren Horizont erweitern?

Dann lese ich das Evangelium vom 5. Sonntag im Jahreskreis C (Lk 5, 1-11) und finde den Auftrag „Fürchte dich nicht! Von jetzt an wirst du Menschen fangen.“ Das Menschenfangen – eine Berufung, ein Missionsauftrag, unbestritten. Ich möchte ihn für mich in diesem Jahr umdeuten und als Auftrag nehmen, mir klar zu werden, dass die Botschaft Jesu weiterzugeben, auch heißen kann, die „gefangenen“ (oder schon wieder verlorenen) Fischen nicht alleine zulassen. Das Meer - der See, in dem wir als Christen, die vielleicht doch eher gemeindlich orientiert (Leserschaft) sind, fischen gehen, ist mittlerweile sehr begrenzt. Unser Blick richtet sich schnell nach innen, zu innerkirchlichen Themen. Kaum ist eine weltkirchliche Schlagzeile gerade verdaut – oder gezwungenermaßen auch nicht – folgt der nächste Skandal.

Jungen Erwachsenen, Jugendlichen die Perspektiven des Lebens zu eröffnen, ist für mich „Menschen fischen gehen“. Die Gesellschaft, das Bildungs- und Berufsleben fordert schnelle, oft endgültig wahrgenommene, lebensprägende Entscheidungen. Orientierung zu bieten in dieser kurzweiligen Zeit, das scheint mir eine wichtige Aufgabe zu sein. Für 2010 habe ich mir vorgenommen, meinen Blick zu schärfen für das Suchen und Fragen der Menschen, die mich umgeben. Mut zu machen, bestärken! Vor allem in der unendlichen Suche nach Sinn, die Verengung auf die berufliche Existenz zu weiten. Das Leben, auch wenn wir das gerne hätten, ist nicht planbar. Aber umso wichtiger ist es, die Klarheit zu besitzen, dass Lebenszeit als ganzes zu sehen. Aus dem Lebensmoment des Hier und Jetzt einen großen Lebensatem zu tun, der in den Atem Gottes strömt.

Als Bild erschien mir das Poster der vielen Gesichter, die Jesus zeichnen, passend. Jede und jeder Einzelne darf ich in Jesus wieder finden. Jede und jeder ist unendlich wertvoll in den Augen Jesu. Du bist in ihm gestaltet! „Die Ewige behütet dein Gehen und dein Kommen - von nun an für immer.“ (Ps 121,8 – Bibel in gerechter Sprache). Thema eines Abendgebetes „Damit Ihr Hoffnung habt!“ am 7. Februar 2010, 20.00 Uhr in Sankt Klara, Eselsberg.