Auszug aus der Predigt in den Gottesdienst in St. Michael zu den Wengen und St. Georg in Ulm am 10.01.2016

„Wir sind auf Hoffnung hin erlöst.“ (Röm 8,24). Ja, wir sind auf Hoffnung hin getauft. Wenn wir heute die Taufe Jesu feiern, erinnern wir uns, ja feiern wir unsere eigene Taufe. Wir besprengen uns mit Weihwasser und tauchen in mystischer Weise ein in das heilige Wasser des Lebens, das uns in Christus erneuert, das uns in Christus verwandelt.

„Wir sind auf Hoffnung hin erlöst.“ Was kann das heißen? Schon von Anbeginn der Schöpfung war das Wasser Urelement, die Urflut, die die Erde umgeben hat. Diese Kraft der Urflut begegnet uns auch bei der Sintflut zu Zeiten Noahs. Auch beim Auszug des Volkes Israels aus Ägypten hat Gott das Rote Meer mit seinen gewaltigen Wassern gespalten und den Weg gebahnt. Und schließlich die Taufe Jesus im Jordan, der Fluss, der aus der Wüste kommt, der die Trockenheiten durchflutet und Leben ermöglicht. Jesus kommt mitten im Volk und lässt sich mit allen anderen von Johannes taufen. Jesus betet und es öffnet sich der Himmel, der Heilige Geist kommt sichtbar in Gestalt einer Taube auf ihn herab und eine Stimme bezeugt ihn als geliebten Sohn.

In diesem Geschehen, das weder Johannes noch die anderen zumindest laut der Überlieferung von Lukas nicht wesentlich zur Kenntnis nehmen, scheint zum ersten Mal auf, in welche Richtung der Heilsweg mit Jesus führen wird: nämlich in den geöffneten Himmel. Jesus ist zurückhaltend, er tut nichts. Gott handelt, er ist aktiv. Er kommt im offenen Himmel auf Jesus zu und zeigt uns damit den Weg. Gott zeigt uns Jesus als den Weg, der ausgestattet mit Heiligem Geist und göttliche Vollmacht kommt. Er ist Eure Erlösung. Er ist es, auf den Ihr wartet. Setzt auf ihn Eure Hoffnung, denn er ist es, die lang ersehnte Rettung bringen wird!

Es gibt einen Aspekt unseres Taufritus, den ich gerne mit dieser Hoffnung verbinden möchte. Die Liturgie sieht entweder das Übergießen oder das Untertauchen in Wasser vor. Meist üblich ist das Übergießen. Im orthodoxen Ritus wird das Untertauchen praktiziert. Ich finde, das Untertauchen bringt nochmals einen besonderen Aspekt zum Ausdruck. Im Moment des Untertauchens ist der Täufling atemlos, er ist symbolhaft tot. Und beim Wiederauftauchen ist er neu geboren im neuen Leben mit Christus, er ist in seinen Leib hineingegossen. In der Taufe wird er eins mit Christus. Und in diesem Einswerden öffnet sich auch für ihn der Himmel, Gott Vater sagt uns seinen Heiligen Geist, seine Lebensfülle zu. Dieser Moment dieser Neugeburt ist ein tiefer Moment der Hoffnung. Das Leben ist nun nicht mehr in der Dimension der zeitlichen Welt, im Hier und Jetzt, zu verstehen, sondern in der Taufe öffnet sich der Himmel in die Unendlichkeit hinein. Bedingungslos sagt Gott JA zu uns.

Dieses JA ist die unzerstörbare Hoffnung auf Ewigkeit, die Gott in uns eingepflanzt hat.

Auf Hoffnung hin sind wir erlöst. Auf Hoffnung hin sind wir getauft. 


 Die Ewigkeit hat göttliches Leben in Dich versenkt.